Verwöhnte Lieblinge

„Unsere Katze kann dies bezeugen, sie will nur noch ihr Futter von euch.“, schreibt ein Kunde.

Diese Aussage erinnert mich an die These, dass der Mensch erst zufrieden ist, wenn es sein Tier auch ist. Zudem ja sehr viele Leute auch erst morgens in den Stall gehen, um die Tiere zu füttern, bevor sie frühstücken. Mensch hat halt seine Vierbeiner gerne. Zwar nicht alle zum Fressen, aber dennoch hört man ja auch hin und wieder mal, dass diese Einstellung in asiatischen Ländern nicht so ganz gilt. Deshalb vermeide ich es auch zum Chinesen essen zu gehen. Als mein Vater noch lebte, lud er die Verwandten mal zu seinem Geburtstag dorthin ein. Am nächsten Tag war ich krank. Sicher sind mir die gebratenen Nudeln mit Katze, äh, ich meine natürlich mit Hühnchen nicht besonders bekommen. Aber nein. Es ist doch auch bekannt, das jene Länder sehr gern ihre Speisen mit Glutamat verfeinern, das aber nun mal nicht alle Menschen so leicht vertragen. Es belastet den Körper unnötig und schon sind deine Probleme da. Obwohl sicher in echt einige denken, das nun wirklich die verarbeitete Katze schuld daran ist. Etliche Jahre später wurde ich abermals in solch ein Restaurant gebeten – wieder unfreiwillig. Damals war es der letzte Tag zusammen im gesamten Kollegenteam, bevor der Quelle-Shop eröffnet wurde und da siehst du nun mal nicht mehr täglich jeden deiner Kollegen, wenn pro Abteilung maximal zwei Mitarbeiter pro Schicht arbeiten.

Besonders gefreut habe ich mich damals nicht über diese Idee, aber es half nichts. Ich musste da leider durch. Wieder wählte ich diese Nudeln. Und wieder hatte ich diese Hintergedanken, die mich schon vorab satt machten. Pappe satt! Wieder nahm ich einige Gabeln voll zu mir, bis ich diskret den Teller von mir schob mit einer fadenscheinigen Ausrede, die mir Unverständnis entgegen brachte. Da wir Menschen aber nun zum einen Gewohnheitstiere und zum anderen Geschmäcker recht differenziert sind, isst nicht jeder alles, egal, was er oder sie im Vorfeld gehört hat oder Vorurteile dafür bzw. dagegen aufrecht hält.

Also Katze mag ich schoooon mal nicht. Das steht fest! Und viel zu haaaaarig wären die Kätzchen mir sowieso. Außerdem mag ich nicht besonders deren Vogel- und Mäuseparfüm. Aber deren Geschenke, die mit aller Regelmäßigkeit vor der Tür liegen, kann ich gerade noch so akzeptieren, auch wenn die noch halb leben. Das zeugt davon, das unser Getier auf Frischkost steht. Also sind Katzen wohl doch so ziemlich verwöhnt. Sicher haben sie sich das von uns Zweibeinern abgeschaut, denn unter uns gibt es nun auch mal jede Menge, die dies und das nicht essen. Aus welchen Gründen auch immer…

Die Vorliebe jener Cat des Kunden weiter oben finde ich irgendwie süss, aber gleichzeitig fallen mir dazu so einige Sachen ein. Immer wieder hatte ich von Bekannten gehört, das deren Tiere auch eben nur bestimmte Sorten an (Marken) – Futter mögen und eben bei ihren Dosenöffnern diese Vorlieben dafür ohne jegliches Erbarmen durchsetzen. Dafür würgt halt schon mal die Miezekatze ihren gesamten Mageninhalt wieder hoch oder speit einen Teil davon auf den Teppich oder an andere ungeeignete Stellen der (menschlichen) Behausung. Der Katze ist das völlig egal, denn kleine Kinder schmeißen sich doch auch auf den Boden, wenn die nicht ihren Willen bekommen. Katzen scheinen sehr lernwillig zu sein oder vielleicht sind sie doch mit uns auf irgendeine Art und Weise verwandt. Wahrscheinlich sind nicht die Affen unsere näheren Verwandten, sondern Katzen. So genau wissen tue ich es nicht, obwohl ich schon seit geraumen 33 Jahren mit solchen Samtpfoten zusammen lebe – mit einigen Pausen der Erholung dazwischen. Ich hatte also mehr als genug Zeit und Gelegenheit deren Psychologie zu studieren.

Die erste Katze wünschte ich mir in der fünften Klasse und bekam auch eine bzw. einen, denn Murkel war ja ein Kater-Baby. Meine Schwesters Bekannter brachte ihn aus Halle mit. Drei Jahre lernte ich ihn lieben bis wir nach Wittenberg zogen. Der Kater blieb dort im Mietshaus bei meiner Ziehmutter wohnen. Auch in meiner neuen Heimat zog alsbald wieder ein neues Kätzchen ein, das dann auch irgendwann das Bedürfnis hatte, eine Familie zu gründen. Um seine freudige Ankunft zu erleichtern, wählte die Katze zum Werfen eine lauschige Pappkiste auf dem Dach vom Auto in der Garage. Einmal jährlich versteht sich, bis der Miez diese Freude genommen wurde. Wir hatten so ziemlich die halbe Stadt mit den kleinen Mäusefängern versorgt…

Unsere Morle haben wir jetzt schon seit rund zehn Jahren. Damals streunerte sie mit ihrem Bruder durch unseren Garten und suchte täglich im Kompost nach einem Leckerli. Daraufhin fütterte ich sie mit Lyoner an. Aus Mitleid. Sie akzeptierte und adoptierte uns. Einen Tag darauf ließ sie sich nicht blicken und danach wich sie uns nicht meeehr von der Seite. Bisher hat sie sich immer mit dem Futter der Hausmarken zufrieden gegeben, das aber seit einigen wenigen Wochen anders ist, denn seitdem frisst sie auch nicht mehr alles, sondern nur noch die teuren Dosen für stolze 49 Cent. Und so andere Eigenarten hat sie auch: Statt in ihrer Hütte zu schlafen, nächtigt das Tier unter freien Himmel neben der Regenrinne oder neben bzw. unter dem Auto. Ich glaube fast, das sie nicht mehr leben will. Ob Katzen auch Suizid-Gedanken haben können? Bisher ist sie immer noch vorher weggelaufen, wenn der Motor gestartet wurde. Ich hoffe und beobachte weiter.

Allerdings liebe ich sie seit ein paar Wochen nicht mehr so innig, wie vorher, obwohl sie eigentlich nicht so ganz schuld an meinem Elend ist; sondern ihr liebster Zwei-Beiner, der sich nicht wirklich gegen seine Morle durchsetzen kann. Über den genauen Grund habe ich schon in einen anderen Artikel geschrieben, den ich aber jetzt nach über drei Monaten immer noch nicht veröffentlicht habe. Ich umreiße ihn mal kurz. Also: es ging darum, dass Felix der Morle während des Winters immer Einlass ins warme Haus gewährte und sie uns aus Dank dafür Flöhe daließ. Noch immer habe ich unverheilte Flohbisse. Ich dachte in echt, dass ich das nicht heile überleben werde. Aber es hat gerade so geklappt. Jetzt steht zwar immer noch solch eine Falle da, aber schon seit Wochen brauche ich keine Flohleichen mehr beisetzen. Allerdings habe ich mich wirklich durch diesen Vorfall entliebt und bin daher auch nicht besonders begeistert, das Morle eben auch nur noch diese „teuren“ Dosen frisst. Das war jetzt aber ironisch gemeint, denn letztens gab’s im Fressnapf auch Dosen für zwei Euro das Stück. Ob nun wirklich dieses Premium-Futter viel besser is(s)t, bezweifle ich, aber einen Geschmackstest werde ich auf keinen Fall machen. Da würde für mich die Tierliebe aufhören und der Ekel anfangen. Und noch eine Sache möchte ich richtig stellen. Für das Futter werden nicht nur ausschließlich Abfälle verarbeitet. Das wird sehr oft behauptet…

Die Sache mit dem Katzenfutter interessiert mich aber mal etwas mehr. Warum verweigern denn die Samtpfoten manches Futter einiger Hersteller? Nicht unviele fressen wirklich nur die teuren Produkte der Markenhersteller und andere, wie von dir beschrieben, nur welches von einem speziellen Händler. Ein bisschen seltsam ist das schon…

Katzen scheinen wirklich Feinschmecker zu sein, wie es uns die Werbung verrät:

Kurze nachträgliche Anmerkung: Die Geschichte hab ich vor knapp einem Jahr geschrieben und inzwischen ist unsere Morle verstorben. Ein Tag vor Weihnachten hat sie sich von uns verabschiedet und treibt seitdem ihre Späße im Katzenhimmel. *R.I.P. Morle in ewiger Liebe

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